Wohlklingendes Bairisch (2)

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Ja wos is jetz des?

Eigentlich müsste ich sagen: Die Wiederentdeckung des Doagaffen. Das Wort kenne ich nämlich schon seit meiner Kindheit. Meine Mutter sagt es hin und wieder. Aber im aktiven Wortschatz habe ich es noch nicht lange.

Welch wunderbares Schimpfwort!

Der Doagaff setzt sich zusammen aus Doag [Teig] und Affe. Ein Teigaffe also.

Dialekt ist ja immer interpretierbar, wir Bayern sind da besonders flexibel,

Während in Internet-Wörterbüchern der Doagaff auf „begriffsstutzig“, „langweilig“ oder „trantütig“ reduziert wird, ist es tatsächlich universeller einsetzbar – wann immer wer was verschusselt, sich dumm benommen oder sonstwas suboptimal macht:

  • „So ein Doagaff!“ – Oder ganz prägnant, gerne vor sich hinmurmelnd, etwas kurz quittieren: „Doagaff!“
  • „Der Doagaff hod [des und des gmacht]!“- Beispiel: „De Doagaffen bei der Bost ham mei Backl zruckgschickt!“
  • Oder: „De Doagaffen hätten ja aa [auch dieses und jenes ankündigen/tun können]!“
  • „Ich bin vielleicht ein Doagaff!“ – mit oder ohne Begründung

Das Vielleicht ist ja in Bayern witzigerweise ein Verstärker.

[business-bayrisch.de gibt’s übrigens nimmer]

Das Schöne am „Doagaff!“ ist für mich, dass es zwar ein Schimpfwort ist, aber irgendwie auch wieder ein nettes. Es ist nicht so harsch wie andere Schimpfwörter. Und es bringt mich immer zum Lachen, was sehr vorteilhaft ist, weil die Gelegenheiten, sich oder andere als Doagaff zu bezeichnen ja meistens nicht so erfreulich sind.

Wobei. Der Bayer setzt ja gerne Kontext und Betonung ein.

Genau wie der Depp oder de bleede Kuah durchaus neckend und sogar liebevoll eingesetzt werden kann, ist es mit dem Doagaffen genauso.

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Ich bin x-fache Buchautorin, Schmarrnproduzentin und Schreibcoach für EinzelunternehmerInnen: Texte für dein Business. Ich coache. Du schreibst. Alles rund ums Schreiben findest du auf schreibnudel.de (dafür gibts einen Extra-Newsletter).

2 Kommentare

  1. Wunderbar, Gitte! Ich freu mich schon, den „Doagaffen“ bei meinem nächsten Besuch bei bayrischen Freunden (selbstverständlich liebevollst bzw. am allerbesten selbstkritisch) zu verwenden. 😉 Hier in Hamburg / im Norden verwenden wir das „vielleicht“ übrigens ganz ähnlich verstärkend: „Ich bin vielleicht ein Dösbaddel!“ (respektive „Döskopp“, beides norddeutsche Verwandte des „Doagaffen“)

    • Gitte Härter

      hahaha, Maren! Ja, das ist toll: unbedingt die bayrischen Freunde überraschen. 🙂

      Wie interessant, dass das VIELLEICHT universell so genutzt wird. – Und dankeschön für die Sprachenverständigung: da kann ich im Norden dann mal mit punkten.

      Herzliche Grüße
      Gitte

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