Sommer

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Fakten

Clia Vogel hat mich angetwittert, ob ich bei der Blogparade Mein Sommer: Zwischen Brotjob, Kultur und Ferien mitmache. Ich stutze. Die ist nämlich für „Kulturschaffende“!

In der Tiefe meines Herzens bin ich ein Bauer. Nicht, dass ich in einer Landwirtschaft groß geworden wäre. Aber ich bin vom Dorf. Ich bin eine robuste Bayerin. „Kultur“ habe ich von klein auf anders abgespeichert.

Also mal googeln, wie Clia auf die Idee kommt, mich als Kulturschaffende zu bezeichnen. 😉

Jetzt wird für mich ein Schuh draus!

Sehe ich so nämlich auch: Sich dauernd irgendwie ausprobieren. Viel Mist produzieren. Damit Unbekanntes düngen und am Ende kommen bunte Blumen heraus.

Wie damals, als ich mit dem Hubbi dauernd hinters Hüttl gebieselt habe, weil wir nicht extra reinlaufen wollten. Irgendwann ist eine völlig absonderliche Blume gewachsen!

Offiziell gelte ich als Künstlerin:

Ich zahle in die Künstlersozialkasse ein. Die VG Wort und die VG Bild-Kunst lassen meine Kasse klingeln. Und ja: Ich verdiene mein Geld rund ums Schreiben. Dass ich als Künstlerin gelte, bringt mich dennoch immer wieder zum Lachen. So sehe und fühle ich mich nicht. Was gar nicht schlimm ist.

Für mich ist Kunst [und kulturschaffend] kopfmäßig in sagenwirmal drei Bereiche gegliedert:

  • Die „hohe Liga“, die für mich persönlich unter Kunst + Kultur fällt: Maler, Komponisten & Co. Etwas Hochgestocheneres, Gebildeteres, wo man sich schick anzieht und sein Monokel geraderückt, bevor man sich dezent räuspert.
  • Das kreative Irgendwas-Schaffen. Wurscht was. Selbst irgendwas tun, sich ausdrücken, zack: eigener Stempel! Ohne irgendeine Bewertung. Da will was raus – ob aus Bedürfnis oder Spaß an der Freude.
  • Professionelles Entertainment: Irgendwas zur Unterhaltung anderer zu performen – da dann aber schon echte Fähigkeiten haben, wo man merkt: Da steckt was dahinter. Da hat es jemand zu bestimmten Fähigkeiten gebracht, die besser sind als der Durchschnitt.

Hey, Kunst und Kultur sind subjektiv. Darum darf ich in meinem Kopf verschiedene Bretterverschläge dazu haben.

Ich sehe mich in der Mitte – und da kommt der Bauer wieder ins Spiel. Ich bin kreative Irgendwas-Schafferin – damit kultiviere ich meinen persönlichen Boden.

Weil ich über meine Blogs, Videos und Aufträge mit anderen verbunden bin, streue ich alles Mögliche nach draußen in die Welt. Manchmal entstehen neue Blumen. Ich fixe an, was auszuprobieren. Was Eigenes draus zu machen. Und lasse mich anfixen …

Gut, dass ich das für mich geklärt habe:

Dann können wir jetzt vielleicht endlich mal zur Blogparade kommen!

Freiheit war mir immer schon wichtig.

Das Tolle an der Selbstständigkeit ist, dass ich mein Business nach einigen Jahren umstellen konnte. Mich gibts nur noch via Internet. Das spart mir enorm viel Zeit und gibt mir bis auf einzelne Workshop-Termine oder geblockte Kundenprojektzeiten die komplette Freiheit, wann ich wo arbeite. Persönliche Termine habe ich schon lange abgeschafft und vor über einem Jahr das Telefonieren. Mich gibts nur noch per E-Mail. Ich bin nicht an Bürozeiten gebunden, und auch wenn ich meistens prompt reagiere, bin ich nicht dazu gezwungen. Darum kann ich weitgehend ungestört an meiner Arbeit bleiben, was mir noch mehr freie Zeit schenkt.

Und was hat das mit dem Sommer zu tun?

Selbst, wenn ich nicht so richtig „Sommerferien“ mache – diesen August ist zum Beispiel besonders viel zu tun -, habe ich rund um die Arbeit total viel Freiraum. So kann ich jederzeit raus in den Englischen Garten gehen oder ins Café. Ich kann mir den Nachmittag freinehmen, wenn der Vormittag besonders produktiv ist – oder ich merke: Heute bring ich eh nix Gscheids zustande.

Was bringt der Sommer so schaffenderweise?

  • Das Schreiben dominiert diesen August. Das ist sozusagen mein „Brotjob“. Da ich mit EinzelunternehmerInnen arbeite, gibts kein pauschales Sommerloch, darum biete ich im August immer Termine an. Weil manche ihr Sommerloch gern nutzen, um was fürs Schreiben zu tun.
  • Ich zeichne ein bisserl, wie heute für die Blogparade. Zeichnen macht mir Spaß, aber wenn viel anderes ansteht, dann hab ich nicht so die Muße dafür. Darum blogge ich zurzeit hier auf der Himbeerwerft weniger.
  • Richtig gepackt hat mich das Hoopen. Das übe ich seit zwei Monaten täglich und es macht mir einen riesigen Spaß. Zusammen mit dem Pole- und Chairdancen kann ich mir vorstellen, da in zehn Jahren vielleicht performancemäßig was zu machen.
  • Ich fotografiere regelmäßig, also wir fotografieren.
  • Ein Eichkatzal kommt jetzt fast täglich auf meinen Balkon, was dazu führt, dass ich mich mit einer neuen Welt befasse.
  • Mein Gehirn wird nonstop gefüttert mit Schmarrn, Liebe, Eindrücken.

… Mist, Dünger, Bieselblumen.

Das ist mein Sommer.

Mitmachen?

Dieser Text gehört zur Blogparade Mein Sommer: Zwischen Brotjob, Kultur und Ferien. KulturmacherInnen und –schreiberInnen (mit und ohne Blog) können bis 31. August mitmachen.

 

Veröffentlicht von

Ich bin x-fache Buchautorin, Schmarrnproduzentin und Schreibcoach für EinzelunternehmerInnen: Texte für dein Business. Ich coache. Du schreibst. Alles rund ums Schreiben findest du auf schreibnudel.de (dafür gibts einen Extra-Newsletter).

4 Kommentare

  1. So ein schöner Text für unsere Parade. <3 Vielen Dank, Gitte! Wir sind völlig begeistert.

    Herzliche Grüße von der auf dem Land aufgewachsenen, von Berufs wegen schreibenden und ansonsten malenden und immer wieder ´rumprobierenden Fränkin Clia vom Kultur-Blog-Club

  2. Sehr anregend geschrieben! Seit deine Schreibnudelwebseite über meinen Bildschirm gehüpft ist, bist du für mich eine Wort-, Bild- und Bewegungskünstlerin. Ich kann mir dich super als Performancekünstlerin bis ins hohe Alter vorstellen, die jedermann zum Lachen und Klatschen bringt.
    Mehr bereichendere Künstlerin als so manch ein anderer, wo man monokeltragend hingehen und möglichst still und leise sein muss, um die Kunst nicht zu stören.
    Wäre interessant zu erfahren, wie viele Menschen du dazu gebracht hast, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Ich wette es sind unzählige.
    Ob Newsletter oder nicht, ich schau weiterhin auf die Himbeerwerft!
    Herzliche Grüße von einem weiteren Landei, Sylvia

  3. Ein ganz wunderbarer Beitrag, den ich gebannt gelesen habe. Mich hast du jedenfalls zum Zeichnen zurückgeführt, vor allem zum „drucklosen“ Zeichnen.

    Für mich bist du – unter anderem – ein bisschen ein klärendes „Regulativ“. Das heißt:

    Ich frage mich in Situationen, wo ich unsicher und verschwurbelt bin, gerne „Was würde Gitte jetzt machen?“. Und Schwups hab ich eine Idee davon, ob ich die Finger davon lasse oder mich begeistert hineinstürze.

    Beispiel:

    Anfrage eines potentiellen Kunden, ob ich ihm was illustrieren kann.

    Da ich zwar gerne zeichne, jedoch ungerne Erfolgs- oder Zeitdruck dabei empfinde, denke ich „Was würde Gitte jetzt machen, die kriegt ja auch Anfragen für sowas?“

    Hmmm, Gitte macht das bestimmt nur für echt nette, unkomplizierte und witzige Kunden. Und Gitte stellt vorher ganz klare Bedingungen (max. 3 Korrekturen, Honorar pro Bild etc.). Ganz unaufgeregt. 🙂

    Das hilft mir dann, gut für mich zu sorgen und auch meine Bedingungen auszuklamüstern und die dann zu kommunizieren.

    Ich werde den Himbeerwerft-Newsletter vermissen, freue mich jedoch schon auf den nächsten Schabernack von und mit dir! Und Dank Instagram und Twitter kriege ich ja auch immer etwas von dir mit.

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