Wie ich lerne

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Fakten

Ende Juni hab ich mir ungefähr meinen ersten Reifen bestellt. Seitdem „hoope“ ich fast täglich. Mal nur kurz, aber oft 1-2 Stunden.

Hula Hoop

So freiwillig konsequent war ich glaub bisher noch nie bei einer Sache. Es hilft, dass ich es jederzeit tun kann: In der Wohnung, ohne Aufwärmprogramm [noch bin ich in der Anfangsphase, wo keine wilden Bewegungsabläufe dran sind], zwischendurch immer wieder mal kurz oder eben länger.

Für manche Übungen ist es wichtig, rauszugehen: Wenn ich mehr Platz brauche, die Reifen werfe oder wenn ich was übe, wo ich ständig den Reifen fallen lasse. Dann hänge ich mir einen oder zwei Reifen um und such mir eine Wiese. Draußen üben ist eine feine Sache – nur wenns nass oder windig ist, wirds schwierig bis unmöglich. – Und wenn, wie letzte Woche, eine riesige Schafherde über meine Übungswiese spaziert. Da liegen dann überall Tretminen, in die man den Reifen nicht fallen lassen will.

Klar schauen da schon mal Leute. Immerhin sieht man normalerweise kaum jemanden, der mit glitzernden Reifen hantiert, was besonders bei Kindern und Hunden der Hit ist. Solange ich ein paar Meter weg von Spazierwegen stehe, werde ich nicht in Gespräche verwickelt. Außerdem drehe ich mich immer so, dass ich nicht in der Peripherie irgendwelchen Trubel habe. Wenn sich, etwa auf einer Baustelle oder einer Hundewiese, zu viel bewegt, lenkt das mein Hirn zu sehr ab.

Das sind meine fünf Lernphasen, die ich mal schneller, mal langsamer durchlaufe:

Ich lerne per Video: Auf youtube gibt’s wirklich endlos gute Tutorials (ich schaue immer die englischen, aber es gibt zahlreiche deutschsprachige). Momentan arbeite ich zwei Online-Kurse von Safire durch, deren lockerer Stil und Genauigkeit mir total gefallen.

hoopingclasses.com – ich habe den Beginner- und den Minis-Kurs.

Alles schaut total logisch aus, wenn es vorgemacht wird. Doch der Bewegungsablauf selbst ist dann doch nicht so einfach, zumal der Reifen oft anders gehalten wird und während er sich dreht zusätzlich irgendwas an einer bestimmten Stelle getan werden muss: ein Griffwechsel, die Rechte macht was anderes als die Linke, der Körper muss soundso platziert werden.

Dazu kommt, dass fast alle Tutorials frontal gefilmt sind. Man muss sich also immer alles umgedreht vorstellen. Da bin ich ganz schlecht!

Die Hä-Phase kann je nach Trick einige Wochen dauern, in denen ich mir Detail für Detail zusammenstückle (und wieder und wieder ein Tutorial anschaue – oder mir andere Tutorials suche, die ein bestimmtes Detail, das ich nicht verstehe, besser erklären). Erst wenn mein Hirn komplett versteht, wie der Bewegungsablauf prinzipiell sein sollte, kann ich richtig zu üben anfangen.

Das ist natürlich meine persönliche Lernpräferenz: Andere machen gern irgendwie und probieren rum – und kümmern sich später gegebenenfalls darum, was umzulernen. Ich eigne mir als Anfängerin gerne ein richtig sauberes Fundament an. Darum ist mir immer die korrekte Form so wichtig, erst recht bei grundlegenden Bewegungen, die ja später aufeinander aufbauen beziehungswiese für schwierigere Tricks nutzen sollen.

In der Dämmerungsphase setze ich praktisch um, was ich zuvor durchs Anschauen verstanden habe. Ich spiele den gesamten Bewegungsablauf durch.

Das ist manchmal ganz schön krumm, schief, unvollständig – und zwischendurch mit Doch-nochmal-Video-fünfmal-anschauen verbunden. Beim Tun fängt das Gehirn an, kräftig mitzuhelfen: Sobald ich den Bewegungsablauf einige Male durchgeführt hab (selbst, wenns in Zeitlupe oder nur stückweise ist), macht das Hirn die weitere Arbeit. Wenn ich es mit etwas Abstand zum zweiten Mal probiere, ist bereits ein deutlicher Fortschritt in der Motorik spürbar.

Die Dämmerungsphase ist abgeschlossen, wenn ich durchs Tun gecheckt habe, wie es sein soll. Je nach Trick kann ich es schon ein bisschen. Oder ich kanns überhaupt nicht, bin aber in der Lage, das Prinzip “nachzustellen” – indem ich den Reifen beispielsweise gar nicht drehe, sondern mit der Hilfshand in Position hebe.

Es ist also das praktische “Aaaaah! So soll das sein.”

Jetzt beginnt das eigentliche Üben.

Manche Sachen kann ich direkt von A bis Z durchspielen, andere zerlege ich in ihre Bestandteile. Ein ganz zentraler Könn-Punkt sind die Griffwechsel: Beim Hoopdance wird der Reifen ja ständig mit den Händen manipuliert: Mal führt man ihn vom Körper weg, mal dran. Außerdem wirbelt man ihn in verschiedenen Bahnen und Mustern durch die Luft, hebt die Beine, springt durch, …

Das bedeutet aber auch, dass man ständig den Griff wechseln muss – und das so, dass der Reifen trotzdem ungehindert weiter kreisen kann. Darum übe ich die Griffwechsel eines Tricks separat, zum Beispiel so:

Je mehr man übt, desto mehr kommt das Gefühl dazu. Das ist immer das Schönste! Zu merken: “Dieser Teil fühlt sich auf einmal ganz natürlich an”, „da kann ich jetzt total locker greifen“ oder “In dem Teil spüre ich richtig die Kontrolle”.

In dieser Phase wiederhole und wiederhole und wiederhole ich das, was ich gerade lernen will. Oft, wie gesagt, nur einzelne kleine Bewegungen, wie einen Griffwechsel. Und ich meine wirklich: wiederholen, wiederholen, wiederholen. – Drill!

Also Kopfhörer auf, Musik aufdrehen und los. Das wird nicht langweilig, weil ich verschiedene grundsätzliche Griffwechsel oder Bewegungen einfach ständig mitwiederhole.

Eine Seite ist ja meistens die bessere. Bei meinen Händen hinkt die linke meist hinterher. Dafür, dass ich mein ganzes Leben lang meine Rechte favorisiere, schlägt sich die Linke zwar wacker – doch ich habe bei allen Bewegungen natürlich deutlich mehr Kontrolle, wenn ich sie rechts ausführe.

Ganz schwierig wirds, wenn zwei Reifen gleichzeitig dran sind: Dann übe ich jede Seite separat, bis sie sitzt. Doch sobald ich beide gleichzeitig bewege, gibts Chaos! Denn abgesehen von der Koordination ist eine weitere Herausforderung, jeden Reifen in seiner geraden Bahn zu behalten.

In der Holperphase schwanke ich zwischen “Yeah!” und “Meia!” – Nicht nur, weil ich mir mitunter einen Reifen an den Kopf knalle *autsch* oder nonstop durch die Gegend werfe. Wie bei jeder Fähigkeit läuft manches super und anderes klappt gar nicht. Aber unterm Strich weiß ich:

Mein Hirn hilft mir immer! Das kriegt, wie es mir bewiesen hat, die Motorik schon drauf, auch wenns manchmal länger dauert.

Die Griffwechseldrills, die ich hier im Artikel zeige sind nur zwei Beispiele von mehreren, die ich jeden Abend beim Serienschauen mache. Mit meinen Minis, die nur ca. 45 cm Durchmesser haben, geht das wunderbar im Sitzen. Durchs konsequente Üben kommt ziemlich schnell das Gefühl für die Bewegung.

Ich übe übrigens mit verschiedenen Reifen: von klein bis groß, dicker und dünner Durchmesser des Reifens und durch das Material haben sie eine unterschiedliche Schwere. Alle fühlen sich anders an und je nach Übung ist es manchmal einfacher und manchmal komplizierter mit einem bestimmten Reifenformat.

Tada!

Safire fasst es wunderbar zusammen:

 

Veröffentlicht von

Ich bin x-fache Buchautorin, Schmarrnproduzentin und Schreibcoach für EinzelunternehmerInnen: Texte für dein Business. Ich coache. Du schreibst. Alles rund ums Schreiben findest du auf schreibnudel.de (dafür gibts einen Extra-Newsletter).

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